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Pfarrer Paul Gräb setzte mit dem "Modell Öflingen" bundesweite Akzente
1956 wurde Paul Gräb Pfarrer der evangelischen Gemeinde in Öflingen. Sie war so arm, daß die gerade erbaute Kirche nicht einmal eine Orgel besaß. Da sich Paul Gräb von früher Jugend an für Kunst interessierte, hatte er eine folgenreiche Idee. Um die Orgel zu finanzieren, führte er 1960 die erste "Diakonieausstellung" in der Öflinger Kirche durch. Es gelang ihm, Künstler wie Ackermann, Dix, Grieshaber und Heckel, aber auch Künstler vom Hochrhein für sein Anliegen zu mobilisieren. 1962 fand die nächste Ausstellung statt, zu der schon ein selbstgestrickter Katalog erschien. Und nach der Ausstellung 1965 war die Orgel finanziert.

Das "Modell Öflingen"
Inzwischen beteiligten sich an den "Diakonieausstellungen" immer mehr Künstler aus dem deutschsprachigen Raum, darunter Persönlichkeiten wie Fritz Winter, Fritz Klemm und der junge Horst Antes, der mit seinen "Kopffüßlern" weltweit Furore machte. Die Künstler wollten weiter ausstellen, auch nachdem die Orgel finanziert war. Aber welchem sozialen Zweck, der mit dem Leben der Öflinger Kirchengemeinde zusammenhängen mußte, sollten die weiteren Ausstellungen dienen? Und wieder hatte Paul Gräb eine phänomenale Idee: Die Situation von behinderten Menschen war damals äußerst schwierig. Um sie zu verbessern, wollte der kunstbegeisterte Pfarrer ein Diakoniezentrum in Öflingen bauen. Die Erlöse aus den Kunstausstellungen sollten diesem Zweck zugeführt werden.

Durch die enge Zusammenarbeit zwischen der Kirchengemeinde und den Künstlern wurde weit über den sozialen Zweck der Ausstellungen hinaus eine Diskussion angestoßen, die bundesweite Modellwirkung hatte. In Öflingen diskutierten Paul Gräb und sein im Diakonieverein versammelter Helferstab mit all jenen Künstlern, die das Projekt unterstützen wollten, das Verhältnis zwischen Kunst und Kirche. Die im Dreijahres-Rhythmus veranstalteten Ausstellungen wurden in den folgenden Jahren zu Diskussionsforen des intensiven Gesprächs zwischen Kunst und Kirche, Künstlern und Kirchenleuten. Hochkarätige Theologen, Philosophen, Kunstkritiker und vor allem viele anerkannte Künstler nutzten diese Plattform zur kritischen Auseinandersetzung mit den großen Fragen unserer Zeit. Das "Modell Öflingen" wurde in der evangelischen Kirche Deutschlands zum Markenzeichen und Paul Gräb zum "Kunstpfarrer" schlechthin.

Einweihung des Diakoniezentrums
1985 konnte das Haus der Diakonie in Öflingen eingeweiht werden. Die Ausstellungen hatten im Laufe der Zeit mehr als 1,2 Millionen Mark erbracht, die zur Anschubfinanzierung dienten. Nachdem aber das Haus eröffnet und mit Leben erfüllt war, erhielt das Projekt "Kunst+Diakonie" einen neuen Impuls: Die Behinderten wurden in den Kunstprozeß mit einbezogen. Sie malten und stellten bei den großen Ausstellungen zusammen mit den arrivierten Künstlern aus. Es begann die Tradition der Öflinger Kunstaktionstage, bei denen immer ein oder zwei bekannte Künstler zusammen mit den interessierten Hausbewohnern an Kunstwerken arbeiten.

Seit 1990 die Wehrer Stadthalle durch ein Konzert der Wehrer Ehrenbürgerin Anne-Sophie Mutter eingeweiht wurde, finden die großen Ausstellungen "Kunst+Diakonie" in Wehr statt. Vom Diakonieverein wurde aus steuerlichen Gründen der Verein "Kunst+Diakonie" abgetrennt. Er hat die vorrangige Aufgabe, durch Kunstaktionen Gelder für das Diakoniezentrum zu beschaffen, während sich der Diakonieverein um den Betrieb des Diakoniezentrums kümmert. Zu den Ausstellungen erscheinen seit den 1980er Jahre Kataloge in Buchform.

Ein Weltstar engagiert sich für "Kunst+Diakonie"
Das Projekt wird intensiv von der weltbekannten Geigerin Anne-Sophie Mutter gefördert. Die Musikerin war seit ihrer Kindheit Mitglied der Gemeinde Paul Gräbs und kennt "Kunst+Diakonie" daher von Kindesbeinen an. Sie gab mehrere Benefizkonzerte zugunsten des Diakoniezentrums. Nicht zuletzt auch durch ihre Hilfe konnte es beträchtlich ausgeweitet werden, wovon beispielsweise das Dr. Detlef-Wunderlich-Haus in Öflingen zeugt.